Baujahr: 2021-2022
Ort: Reichersbeuern
Bauweise: Holzständerbau
Kooperation mit Baufritz
Leistungsphase: 1-4




Hanghaus in Hybridbauweise – Verdichtetes Wohnen auf kompakter Grundfläche
In unmittelbarer Nähe zum elterlichen Wohnhaus entstand ein Einfamilienhaus für eine fünfköpfige Familie, das trotz eines ambitionierten Raumprogramms und strikter baurechtlicher Vorgaben eine überraschende räumliche Großzügigkeit entfaltet. Die Herausforderung lag im engen Korsett des Bebauungsplans: Sowohl die Höhenlage der Bodenplatte als auch die maximale Wandhöhe und Bruttogrundfläche waren klar definiert. Innerhalb dieser engen Parameter galt es, vier Schlafzimmer, zwei Bäder, ein Arbeitszimmer sowie einen offenen Koch-, Ess- und Wohnbereich unterzubringen – auf lediglich 85 m² Grundfläche.
Das architektonische Konzept nutzt die Hanglage intelligent aus. Während die Wohnräume über dem Gelände modelliert sind, nimmt das tief in den Hang eingebundene Untergeschoss technische Räume und Nebenfunktionen auf. Die großzügige Unterkellerung des seitlich angeordneten Carports schafft darüber hinaus zusätzliche 33 m² Nutzfläche, ohne die baurechtlich zulässige Baugrenze zu überschreiten. So entsteht ein klarer funktionaler Sockel aus wasserundurchlässigem Sichtbeton, der sich topografisch in den Hang schiebt.
Sobald das Gebäude über die Geländeoberkante hinaustritt, übernimmt eine präzise gefügte Holzständerkonstruktion die weitere bauliche Ausformung. Der Übergang zwischen den konstruktiven Systemen erfolgt fugenlos und verdeutlicht den hybriden Charakter des Gebäudes. Die Kombination aus mineralischem Sockel und raumklimatisch optimiertem Holzbau erlaubt ein energieeffizientes und gesundes Wohnen – angepasst an die spezifischen Anforderungen der Hanglage.
Trotz der kompakten Grundfläche gelingt es dem Entwurf, Raumqualität über reine Flächenökonomie hinaus zu definieren. Ein doppelt hoher Luftraum über dem Essbereich vermittelt ein Gefühl von Offenheit und vertikaler Weite und setzt einen großzügigen architektonischen Akzent im Zentrum des Hauses. Die vertikale Staffelung des Grundrisses ermöglicht dabei eine klare Trennung der Nutzungen: Die strikt gleichwertigen Kinderzimmer befinden sich im Gartengeschoss und öffnen sich mit raumhohen Verglasungen direkt zum Außenraum. Dadurch entsteht ein unmittelbarer Bezug zum Garten, der als erweiterte Spielebene genutzt werden kann.
Das Einfamilienhaus zeigt, wie aus rigiden Rahmenbedingungen ein differenziertes architektonisches Konzept entstehen kann, das ökonomisch, ökologisch und räumlich überzeugt. Die präzise Abstimmung von Konstruktion, Topografie und Raumnutzung macht das Haus zu einem gelungenen Beispiel verdichteten Wohnens im ländlichen Kontext – mit hoher Lebensqualität auf minimaler Fläche.
