Moderne Architektur im ländlichen Raum: Ein Mehrfamilienhaus für 4 Wohneinheiten

Ausführungszeitraum: 24.11.22 – 15.01.24

Nutzung: Wohngebäude mit 4 Wohneinheiten

Ort: 83727 Neuhaus-Schliersee

Leistungsphase: 1-8

Neubau eines Mehrfamilienhauses im ländlichen Raum

Der Neubau eines Mehrfamilienhauses mit vier individuell gestalteten Wohneinheiten verfolgt das Ziel, trotz eines beachtlichen Bauvolumens den ortstypischen Maßstab und den ländlichen Charakter der Umgebung zu wahren. Jede Wohnung wurde eigenständig konzipiert – in Grundriss, Orientierung und räumlicher Gliederung –, sodass keine formale Wiederholung innerhalb des Hauses stattfindet. Diese Vielfalt im Inneren spiegelt sich nicht zuletzt in der differenzierten Fassadengestaltung wider.

Die äußere Erscheinung des Baukörpers wird durch eine horizontale Lärchenholzverschalung geprägt, die durch regelmäßig gesetzte vertikale Gliederungselemente strukturiert wird. Diese Kombination wirkt maßstabbildend: Die horizontale Ausrichtung reduziert visuell die Gebäudehöhe des viergeschossigen Volumens, während die vertikalen Unterteilungen der Fassade rhythmisch Struktur verleihen und die Gesamtlänge optisch gliedern. Das Fassadenbild verweist bewusst auf ländliche Bautraditionen, ohne in historische Zitate zu verfallen.

Konstruktiv basiert das Gebäude auf einer massiven Bauweise mit 42,5 cm starken Hochlochziegeln, die monolithisch ausgeführt sind und ohne zusätzliche Dämmung auskommen. Diese Bauweise unterstützt nicht nur ein ausgewogenes Raumklima, sondern auch eine hohe thermische Trägheit und Langlebigkeit.

Zur Südseite hin wurde ein vorgelagertes, hölzernes „Regal“ entwickelt, das Balkone, verglaste Erker und raumhohe Öffnungen aufnimmt. Diese filigrane Holzkonstruktion fungiert als gestalterisches und funktionales Element zugleich: Sie erweitert die Wohnräume ins Freie, wirkt als Sonnenschutz und verleiht der Fassade Tiefe und Plastizität.

Das Erschließungskonzept folgt einer klaren inneren Logik: Ein kompakt gehaltener Treppenkern verbindet alle vier Ebenen effizient. Die Hanglage des Grundstücks wurde dabei konsequent in die Planung integriert. Durch die topografische Staffelung konnte sowohl im Erdgeschoss als auch im Untergeschoss ein ebenerdiger Zugang realisiert werden. Im Untergeschoss befinden sich neben einer Doppelgarage auch ein weiterer Tiefgaragenstellplatz, was die Anforderungen an ländliche Mobilität und individuelle Erschließung aufnimmt, ohne das Erscheinungsbild des Hauses zu beeinträchtigen.

Der Entwurf überzeugt durch eine gelungene Balance aus Volumen, Materialität und Kontextbezug. Die Architektursprache bleibt reduziert, funktional und präzise – mit einem klaren Bekenntnis zur zeitgenössischen Weiterentwicklung ländlicher Bautypologien.